Kinder - Zähne - Fakten
Gemeinschaftspraxis Dr. Bregenzer / Dr. Schulz-Hoffmann (Viersen)

Zwei Jahre, 14 Wochenenden oder 150 Fortbildungsstunden: So lange dauert das Curriculum Kinder- und Jugendzahnheilkunde der Akademie Praxis und Wissenschaft (APW). Birgit Bregenzer wollte eine nachweisbare Spezialisierung haben. Sie wollte als niedergelassene Zahnärztin, die mit ihrer Kollegin im niederrheinischen Viersen sowohl Kinder als auch Erwachsene behandelt, Kontakte zu anderen Kinderzahnärzten knüpfen, universitäre Lehrmeinungen aus erster Hand mitbekommen - und fundiert lernen. Am 2. November 2002 war sie am Ziel; an diesem Tag schloss sie die Prüfung erfolgreich ab.

"Zwei Stunden lang wurden uns Fragen gestellt. Es war anstrengend, aber unsere zwei Prüfer haben dennoch für eine nette und kollegiale Atmosphäre gesorgt", berichtet die frisch gebackene Kinderzahnärztin Birgit Bregenzer. Aktuelle Fluoridierungsempfehlungen, Durchbruchzeiten der Milchzähne, Vorgehen bei Milchzahnendo, partielle und koronale Pulpotomie, Zusammensetzung von Dentinadhäsivsystemen; wann ist der Einsatz von Lückenhaltern indiziert; Erfahrungen mit Diagnodent, Einschätzung der selbst erfahrenen Sensitivität und Spezifität des Gerätes - die jeweils aus vier Teilnehmern bestehenden Prüfungsgruppen mussten schon in allen Bereichen der Kinderzahnheilkunde firm sein. Kneifen galt nicht. Warum sollten die 24 Kursteilnehmer auch. Die 33-jährige Mutter von zwei Söhnen erzählt: "Eine Teilnehmerin wechselte wegen der Geburt ihres dritten Kindes in den nachfolgenden Kurs. Ansonsten haben alle 23 diesen Kurs erfolgreich beendet. "Nun läuft die Anerkennung des Tätigkeitsschwerpunktes durch die Kammer Nordrhein."

Kollegiales Miteinander, kein Futterneid

Das Motiv, an einer zertifizierten Fortbildung teilzunehmen, kann sehr unterschiedlich sein: Die einen machen Kurse aus einem Wissensdurst heraus, andere zielen darauf ab, ihre Praxis mit einem Alleinstellungsmerkmal auszustatten, um sich in Zeiten der wirtschaftlichen Flaute von anderen abzuheben und möglicherweise so Patienten dazu zu gewinnen. Eins ist jedoch gewiss: Fortbildung bringt einen nicht nur fachlich weiter, aktualisiert vorhandene Kenntnisse und schärft das eigene Urteilsvermögen, sondern fördert auch kollegiales Miteinander. Das bestätigt auch die Viersener Zahnärztin: "In der Zeit sind wir zu einem guten Team zusammengewachsen." Vor allem die Pausen und gemeinsamen Abendessen wurden für einen regen Erfahrungsaus-tausch genutzt. "Gerade hier habe ich wertvolle Tipps bekommen." Futterneid? Tauchte in der Gruppe nicht auf. Bregenzer kritisch: "Ob das daran liegt, dass wir viel mit Kindern arbeiten und dabei nicht in erster Linie an hohe Kostenvoranschläge denken?". Zu anderen Kollegen des Curriculums sind intensive Kontakte entstanden. So wollen sich die Kursteilnehmer als Studiengruppe ein- oder zweimal im Jahr tref-fen und hierfür Referenten einladen. Die fortbildungsorientierten Zahnmediziner kön-nen dafür vielleicht auch schon ihre Kontakte zu den Dozenten nutzen, die ihren Schützlingen, so Bregenzer, "gerne mit Rat und Tat zur Seite stehen". Sie nennt Dr. Norbert Krämer (Universität Erlangen), Prof. Dr. Gisela Hetzer (Universität Dresden) und Prof. Dr. Roswitha Heinrich-Weltzien (Universität Jena/Erfurt): alle Koryphäen auf dem Gebiet der Kinder- und Jugendzahnheilkunde und hilfsbereit. Nicht nur mit frischem Elan und voller Begeisterung behandelt Bregenzer ihre kleinen Patienten: "Nun habe ich die Gewissheit bekommen, nach den neuesten Richtlinien und wissenschaftlichen Erkenntnissen zu therapieren." Das ist das Entscheidende: Sie kann das Gelernte im Praxisalltag umsetzen und ihre Therapie-Entscheidung auch wissenschaftlich untermauern.

Praxisrelevant: Füllungstherapie und Kinderhypnose

Wenn sie im Milchzahngebiss Dentinadhäsive einsetzt und die jungen Zähne mit Tetric- oder Compoglass-Füllungen versorgt. Oder auch wenn sie einen "first count of teeth" vornimmt. Diesen Begriff prägte Prof. Dr. Jos Dibbets im Verlauf des Curriculums. "Man ist überrascht, was einem beim routinemäßigen Öl-Befund oder im OPG im Hinblick auf Unregelmäßigkeiten im Zahnwechsel, zum Beispiel Aplasien oder Mehrfachanlagen, auffällt!" Kinderhypnose und "Füllungstherapie im Milchzahngebiss" waren während des Fortbildungskurses für ihre Gemeinschaftspraxis besonders relevante Themen. Die Ausbildung hat ihren Preis: Zum einen ist der zeitliche Aufwand nicht zu unterschätzen ("Die Erstellung der drei Falldokumentationen hat neben den Wochenendkursen die meiste Zeit in Anspruch genommen."), aber dann schlägt vor allem das Finanzielle zu Buche. "Rund 14.000 Euro haben wir investiert. Nicht eingerechnet ist der Praxisausfall! Hier kommen sicher noch einmal 5000 Euro mal 14 Wochenenden hinzu, da wir ja normalerweise auch samstags arbeiten." Den-noch ist die Unternehmerin von einer "sehr guten Investition" überzeugt. Kinderzahnärztin Birgit Bregenzer über das APW-Curriculum: "Mir hat dieser Kurs nicht nur einen dokumentierten Tätigkeitsschwerpunkt beschert, sondern hat mein herapiekonzept bei Kindern bestärkt, verbessert und wissenschaftlich untermauert." "Schließlich wirkt sich ein gutes und ausgereiftes Konzept auch auf den Erfolg der Praxis aus!"

Anregungen aus Wermutstropfen

Bei aller Zufriedenheit dann doch ein paar Wermutstropfen. Die Referenten konnten nicht verbergen, dass an vielen Universitäten die Kinderzahnheilkunde stiefmütterlich behandelt wird. So erzählt die Kinderzahnärztin enttäuscht: "Von dem Thema ,PAR' bei Kindern und Jugendlichen hatte sich der gesamte Kurs viel versprochen. Wir ha-ben uns auf interessante Falldarstellungen zu diesem Thema gefreut, wollten Therapiekonzepte hören, auch im Zusammenhang mit allgemeinen Erkrankungen. Was kam, war eine Vorlesung über ,PAR allgemein' und die Falldarstellung einer Lappen-OP! Es fehlt einfach auch schon die Dokumentation an den Unis, da diese Fälle nicht unter dem Thema Kinderzahnheilkunde betrachtet werden." Nicht nur hier könnte noch justiert werden. Birgit Bregenzer schaut über den Tellerrand: "Ich würde eine Erweiterung des Curriculums um ein Praktikum bei einem Kinderarzt oder auf einer pädiatrischen Station begrüßen, da wir als Spezialisten doch auch oft mit nicht alltäglichen Krankheitsbildern konfrontiert werden." Eine Anregung für die APW-Organisatoren zukünftiger Curricula?

zurück

Text bei: Gemeinschaftspraxis Bregenzer / Schulz-Hoffmann (Viersen) - © 2003

Veröffentlichung: Dental Magazin 1 / 2003