Warum wird eine spezielle Kinderzahnheilkunde gelehrt?


Man könnte meinen, Kinderzahnheilkunde sei eine normale zahnmedizinische Behandlung bei Kindern. Zahlreiche zahnärztlichen Therapien, die wir bei Erwachsenen anwenden, sind bei Kindern nicht anwendbar, weil viele Bedingungen und Voraussetzungen bei der Kinderbehandlung anders sind. Vor allem drei Aspekte sind bei der zahnärztlichen Behandlung von Kindern zu berücksichtigen:
  1. Das Kindergebiss entwickelt sich noch , z.B. das Schädelwachstum ist noch nicht abgeschlossen. Die Kinder haben ein Milch- und ein bleibendes Gebiss.
  1. Die psychologischen Begleitumstände einer Kinderbehandlung unterscheiden sich erheblich von der Erwachsenenpsychologie.
  1. Nur bei Kindern kann ein Bedürfnis zur Mundhygiene geweckt werden ( "Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmer mehr"). Im Kindesalter wird die Voraussetzung für die Erhaltung der Zähne bis ins hohe Alter gelegt.
Bei der Erwachsenentherapie ist ein Großteil der Therapie die Beseitigung von Zahnschäden mit dem große Ziel eine kaufunktionelle, kosmetischen und vor allem eine ästhetischen Lösung zu erreichen, die den Patient zufriedenstellt. Beim Kind steht im Mittelpunkt, die zahnärztliche Behandlung zu ermöglichen, durchzuführen und anschließend durch Prävention und Prophylaxe Zahnschäden für die Zukunft zu verhindern.
Im Kindesalter werden die Grundlagen für die mögliche Angst vor der zahnärztlichen Behandlung gelegt.
Kinder sind keine kleinen Erwachsenen, die mit denselben Behandlungskonzepten wie Erwachsene behandelt werden können. Es müssen andere Behandlungskonzepte entwickelt werden, die sich an den anatomischen und physiologischen Eigenschaften von Kindern orientieren. Auch die geistige Entwicklung des Kindes muss berücksichtigt werden.
Deshalb ist es notwendig, eine eigenständige Fortbildung für die Kinderbehandlung zu entwickeln, die den Bedürfnissen von Kindern und Jugendlichen bei der Behandlung in der zahnärztlichen Praxis entgegenkommt. Es muss also einen Spezialisten für diese zahnärztliche Kinderbehandlungen geben.

Der "Tätigkeitsschwerpunkt Kinder- und Jugendzahnheilkunde" soll diese Lücke schließen.
©Dr.H.Storbeck 2002